Mein kleines (und natürlich höchst subjektives) Konzerttagebuch des aktuellen Jahres, wobei die Veranstaltungen nicht nur in Sucksen stattfanden. Nach und nach werde ich auch noch ca. 12-55 Fotos hinzufügen. Es darf auch gerne kommentiert werden 🙂
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Oktober 2025 | Asien-Special (Malaysia & Singapur) | zur liste ↑
„Kleine“ (aber am Ende letztlich leider doch etwas ausgeartete) Rückschau auf eine „Asien-Trilogie“ vor nicht all zu langer Zeit (von dort gibt es sicherlich seltener Berichte).
Gute drei Wochen in Malaysia (+ ein paar Tage in Singapur) unterwegs und keine kulturellen Aktivitäten? Also nicht mit mir … einen Abend vor Abreise standen noch WIEGEDOOD im Leipziger Werk 2 mit ihrer „De Doden Hebben Het Goed“ Album Trilogy-Tour auf der Agenda, was schon mal großartig war. Ich kenne die Band (live) in allen Dekaden ihres Schaffens (und dürfte mittlerweile schon auf ein gutes Dutzend Shows kommen) und mit der DDHHG-Triolgie haben sie sowieso was Essentielles für die Ewigkeit erschaffen. Wenn es überhaupt was auszusetzen gab, dann maximal in 1-2 Liedern des „mittleren“ Albums, was ich als das „Schwächste“ empfinde (aber das im Kontext: Jammern auf höchstem Niveau). Publikum sehr entspannt, gute Location (die kleinere Halle des Werk 2), interessanter Voract (TREHA SEKTORI aus Paris / Frankreich mit einer (im Hintergrund via Beamer projiziert) bildgewaltigen „Ambient-/Drone-Spielerei-Soloperformance“, der wohl als Künstler auch viele Designs der „Church of Ra“ entworfen hat). Darum soll es hier aber nicht weiter gehen, denn ich ließ im Urlaub etwas meine Kontakte spielen und mir vom lieben Zgone aus Leipzig wurde der (legendäre) DIY-Laden namens Rumah Api in Kuala Lumpur empfohlen (es finden sich auch haufenweise Liveclips & -shows bei Youtube). Flugs das dortige Programm gecheckt, ein bisschen die Reiseroute modifiziert und schon konnte der „Länderpunkt“ Malaysia an 2 Abenden hintereinander eingetütet werden 🙂
04.10.2025 | Kuala Lumpur (MY) – Rumah Api | Code Error, Glömt, Samora Squid, Artrodese, LastxMinute
Das Rumah Api liegt einige Kilometer außerhalb des Zentrums im authentischen Stadtteil „Pandan Inah“ der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur, in dem wir aus logistischen Gründen direkt Quartier bezogen hatten und „gefühlt“ auch die einzigen (zumindest „westlichen“) Touristen weit und breit waren. Der Laden selbst befand sich vorher in einem Hochhaus, wurde meines Wissens mal geräumt und hat nun seine Räumlichkeiten in der Nähe der alten Stätte von außen komplett unscheinbar wirkend in einem dreigeschossigen Haus im obersten Stockwerk bezogen. Der Hauseingang befindet sich neben einem indischen Restaurant und wenn man nicht weiß, dass sich der Laden dort befindet, würde man diesen zwecks fehlender Beschilderung etc. auch niemals finden (Laufkundschaft gibts da offenbar keine). Jedenfalls stand der gemeine Ossi nach Zahlung der umgerechnet ca. 12€ Eintritt pünktlich um 20 Uhr auf der Matte und es war natürlich noch niemand außer den Bands da. Nachdem diese erste Peinlichkeit überwunden war, füllte sich der kleine Laden (mit einer Kapazität für ca. 150 Leute?) dann doch recht flott und es begannen gegen 20:30 Uhr direkt LASTXMINUTE aus (ursprünglich) Puchong in der Nähe von Kuala Lumpur mit einem ca. 20-minütigen Old School-Stop&Go-Hardcore-Brett. Die Rhythmusfraktion schien geübt und wann bekommt man mal „authentisch“-knalligen (Muslim-)Hardcore ala PUNCH, BEYOND PINK oder auch THE TANGLED LINES, mit Kopftuch-tragenden Frauen an Gesang & Gitarre zu sehen/hören? Das war schon mal ein verheißungsvoller Auftakt.
Es folgte das Soloprojekt ARTRODESE des Niederländers Joop van Reede (früher u.a. Gitarrist bei der Grindcore-Band JESUS CRÖST, die mir zumindest von Namen her was sagen), der aufgrund chronischer Arthritis wohl keine Instrumente mehr spielen kann und dadurch mittlerweile andere Musik macht, um trotzdem noch was Kreatives machen zu können. Das folgte dann in Form von einer Art punkigem D’n’B/Jungle-Mix (aus dem Laptop) meets THE PRODIGY und einem gewissen Vibe von MOBY (den älteren Sachen), THE STREETS und auch SLEAFORD MODS. Ungemein tanzbar (was er gut vorführte und es ihm auch etliche im Publikum nachahmten), überaus sympathisch und v.a. auch mega unterhaltsam.
Danach folgte mit SAMORA SQUID aus Tasmanien (Australien) eine Art 15-minütige „One man-Freakshow“ mit solchen „Nettigkeiten“ wie (selbstständigem) Schulter auskugeln (für mich war das Knacken schlimmer als Blut oder Erbrochenes), Verbiegen bis zum geht nicht mehr, Beine um 180 Grad verdrehen, Schwertschlucken usw. begleitet von etlichen wirklich witzigen Ansagen und Kommentaren. Ein wilde Zwischenperformance und v.a. ein netter Kontrast zwischen den 4 Bands.
Als vorletzte Band dann GLÖMT aus Indonesien („glömt“ heißt im schwedischen wohl „vergessen“, was mir so mitgeteilt wurde) mit rotzig-crustigem Speed-/Black Metal-Gemisch und verschmierten Gesichern – das volle Programm halt: FFO VENOM, MAYHEM, DEVIL MASTER, MIDNIGHT, DISCHARGE und meinetwegen auch TRAGEDY.
Der „Headlíner“ des Abends CODE ERROR stand dann ab 23 Uhr auf der Bühne und die Band besteht u.a. aus Vijesh, dem ehemaligen Schlagzeuger von WORMROT aus Singapur, dem malaysischen Gitarristen Mohd Faizal Sarif (u.a. TOOLS OF THE TRADE) und dem Gastsänger(?) Mark Fields für diese(??) Tour aus den USA (war wohl auch mal späterer Sänger bei den ziemlich legendären SIEGE, die mir auch was sagen). Ich habe von Grindcore absolut keinen Schimmer, kenne außer den live immer großartigen NAPALM DEATH außer halt noch CARCASS auch keine Genrebands weiter und mache um „solche“ Konzerte auch eher einen größeren Bogen, aberr das war live diese rund 40 minuten einfach geil, v.a. weil Drums & Gitarre richtig gut und tight gespielt waren (um nicht zu sagen professionell, das waren meines Erachtens schon richtige „Könner“ ihres Fachs). Und abseits der „gekreischten“ Passagen war auch der Gesang richtig gut.
Kurzum: ein rundum genialer und durch dieses vielseitige musikalische sowie international breit aufgestellte Kontrastprogramm v.a. auch abwechslungsreicher Abend, der von einem Bier (eine offizielle Bar gabs da nicht wirklich) und der erlösenden Dusche im Hotel gekrönt wurde. Sehr cool fand ich v.a., dass eigentlich alle Gäste immer alle Bands (egal welches Genres) gefeiert haben und in diesem Kontext auch erstaunlich, dass die Kopftuch-tragende Gitarristin von LASTXMINUTE bei den (potenziell sicherlich satanistisch angehauchten) GLÖMT (wobei Indonesien immer noch das größte muslimische Land der WElt ist) neben einer Bier-trinkenden Frau abging.
05.10.2025 | Kuala Lumpur (MY) – Rumah Api | Single Stitch (verpasst/-peilt), Buncit, The Hard-Crop’s, Idle Hands, The Mondz
Einen Abend später wurde es dann nicht ganz so vielseitig (aber für umgerechnet 3€ Eintritt deutlich günstiger), was aber auch völlig ok und logischweise aufgrund des Line-Up nicht unerwartet war, denn es stand die Release-Party anlässlich der neuen EP „Three Chord Knights“ der malaysischen Oi!/Streetpunk-Band SINGLE STITCH auf der Agenda. Diesmal waren wir auch wirklich die (denke ich) einzigen „westlichen“ Gäste und wurden auch entsprechend beäugt, was sich zwar teilweise irritierend, aber irgendwie auch niedlich anfühlte (angesprochen wurden wir an den 2 Abenden zaghaft nur 2-3x, aber der Barmann war jedes Mal sehr dankbar, wenn ich vorbeischaute).
Als erste Band THE MONDZ mit richtig nettem Singalong (Oi!-)Punk, die ich musikalisch bei „angesagteren“ aktuellen Genrebands wie LION’S LAW, ULTRA SECT oder MESS logischerweise mit einer exotischeren Note ansiedeln würde. Leider hatte der Gitarrist ständig (also gefühlt nach jedem Lied) technische Probleme, so dass keine richtiger „Fluss“ aufkam, aber für mich waren THE MONDZ die musikalisch als auch spieltechnisch beste und eingängigste Band des Abends mit einem äußerst aktiven und einprägsam singenden Frontmann.
Als zweite Band standen IDLE HANDS (und nee, nicht die mittlerweile als UNTO OTHERS firmierende oder auch gleichnamige ehemalige Punkband aus Münster) nur als Duo (Gitarrist/Gesang + Schlagzeug) auf der Bühne und es lief viel vom Band (teilweise so DROPKICK MURPHYS-mäßig), was ich eher etwas nervig und unpassend fand, aber die Leute gingen vor der Bühne ordentlich ab und v.a. die gut zwei Dutzend anwesenden malaysischen Skinheads (stiltechnisch von „schwierig“, über ziemlich „kurios“ bis „ultrasmart“) kamen spätestens mit dem COCK SPARRER-Cover „We’re Coming Back“ (die einfach immer und überall „funktionieren“) nun richtig in Fahrt, ebenso gefiel die Eigenkomposition „Never Get Knackered“.
THE HARD-CROP’S dann als dritte Band mit schön fiesem und härterem (selbst betitelten) Hooligan-Oi! ala 4 SKINS, THE LAST RESORT, TEMPLARS, RIXE; für mich die zweitbeste Band des Abends und mit schönem (aber letztlich dennoch friedlichem) Blutpogo vor der Bühne. Und Oberkörperfrei schwitzt es sich auch in Kuala Lumpur natürlich wesentlich besser, gerade auch im Kontext der obligatorischen „Unity“-Verbrüderungsszenen 😉 Hier gibts einen kompletten Livegig der Band vom Juni 2025 und auch einen netten Einblick ins Rumah Api.
BUNCIT als vierte Band waren dann nicht wirklich gut, wirkten wie eine Band die kaum geprobt hat (was eben leider auch so klang) und mit einem oder zwei ziemlich verhunzten MISFITS-Covern.
SINGLE STITCH, also den Headliner des Abends, haben wir dann aufgrund meiner Doofheit verpasst: Wir sind gegen 23 Uhr los, weil ich irrtümlich annahm, dass diese (recht schlechte) vierte Band diese SINGLE STITCH gewesen wären (BUNCIT wurden bei der Running Order als erste Band gelistet und ich ging davon aus, dass sie einfach ausgefallen sind), aber ich hatte mich getäuscht. Bei Facebook habe ich im Nachgang gesehen, dass SINGLE STITCH also noch ihre eigene Release-Party gespielt haben. Da lag ich allerdings schon frisch geduscht im Bett und auch wenn der Laden nur ca. 5 Minuten fußläufig entfernt lag, war es dann eben so. Shit happens…denn diverse Clips bei Facebook ließen eigentlich schon auf eine gut klingende und eingespielte Band schließen.
Kurzes Resümee zu den 2 Abenden in Kuala Lumpur: Das „Indoor-Rauchen“ scheint dort am ehesten das Aufbegehren gegen die „Obrigkeit“ zu sein (das ist sonst überall, auch an vielen Plätzen draußen, verboten), ich fühlte mich vor allem am zweiten Abend wie in den 90ern in den Konzertläden hierzulande oder halt noch immer aktuell wie im Leipziger Zoro ;-). Beim Oi!-Konzert wurde im Vergleich zum ersten Konzertabend auch deutlich mehr Bier getrunken, aber es muss einem bewusst sein, dass man immer noch in einem größtenteils muslimisch geprägten Land (natürlich toleranter und ohne strengere Scharia) unterwegs war. Es ist eben doch eine andere Welt und gerade deshalb hat es riesigen Spaß gemacht, auch dort in so einen subkulturellen Bereich abtauchen zu dürfen, was ein absolut Privileg für mich darstellt. Gerade auch in dem Kontext, dass viele der dort anwesenden Leute wohl größtenteils potenziell nie dazu kommen werden, solche Bands wie COCK SPARRER, LION’S LAW oder auch NAPALM DEATH mal bei einem Konzert erleben zu dürfen.
Nur der latente (auch öfters geäußerte und anderweitig dargestellte) Hass auf Israel bzw. der Umgang mit der (zweifelsohne natürlich schwierigen) politischen Situation in Gaza war z.T. schwer zu etragen, aber ich kann diese Gedankenlage bei einem (muslimischen und dadurch per so schon solidarischere) Land wie Malaysia als vergleichsweise wohlhabender „westlicher“ Tourist wahrscheinlich auch nicht wirklich adäquat einschätzen.
09.10.2025 | Singapur (SG) – Spectrum by Phil Studio | Ghost Bath, Naedr
In Singapur angekommen gleich „tieftraurig“ festgestellt, dass dort am Wochenende vor unserer Ankunft im Rahmen des Formel 1-Nachtrennens diverse Konzerte u.a. von Elton John, Smashing Pumpkins & Foo Fighters stattgefunden hatten. Das erklärt wahrscheinlich auch, weswegen die Hotelpreise im ohnehin hochpreisigen Inselstaat offenbar nochmals teurer waren. Augen auf bei der Urlaubsplanung 😉 Im Zuge des Rumsurfens fand ich dann tatsächlich das Konzert von GHOST BATH und wenn man einmal vor Ort ist, bezahlt man die 50€ im VVK doch zähneknirschend und nimmt das eben noch mit. Die Band habe ich vor etwa neun Jahren mal (zusammen mit den großartigen YEAR OF NO LIGHT) im August 2016 live in der Dresdner Chemiefabrik gesehen, fand deren „Moonlover“-Album damals echt gut und hatte sie eigentlich bis jetzt fast komplett aus den Augen (bzw. Ohren) verloren. Singapur war das Auftaktkonzert einer kleinen Asientour (u.a. noch Taiwan, Japan & China) im Kontext ihres aktuellen Albums „Rose Thorn Necklace„.
Die (etwas sterile) Konzertlocation lag (wie ich es z.B. auch aus Bangkok kenne) unscheinbar in einer normalen Shopping-Mall, die wir dann nach etwas Sucherei letztlich auch gefunden haben. Kurz vor 20 Uhr rein, ein Pint Fassbier für fast schon unerwartet günstige 6€ am Tresen geordert ging es kurz danach auch schon mit der Vorband NAEDR aus Singapur los, die mit Sängerin ordentlich loslegten und nicht nur mich, sondern auch die anderen ca. 50 Gäste mit ihrem Screamo-Sound umbliesen. Wahnsinnig mitreißend und musikalisch irgendwo grob zwischen den japanischen ENVY und MONO mäandernd, einfach nur großartige ~35 Minuten. Deren Platte wäre das perfekte Urlaubssouvenir aus Singapur gewesen, aber leider konnte ich nicht mit Kreditkarte zahlen und Bargeld in Form von Singapur-Dollar hatten wir keines, da das dort eigentlich auch nirgendwo wirklich „benötigt“ wird. Schade drum…
Nach kurzer Umbaupause und Mini-Soundcheck (der Sänger kam wohl sehr kurzfristig und verspätet an) knallten dann GHOST BATH direkt mit 3 Gitarristen und entsprechend fettem Sound los und haben mich direkt abgeholt. Live ist das im Vergleich zu bspw. HARAKIRI FOR THE SKY wesentlich abwechslungsreicher, jedes Lied hat irgendeine Art musikalischen Kniff oder „Besonderheit“, was (zumindest bei mir) hängen bleibt (vergleichsweise wie bei DEAFHEAVEN). Und das meine ich ausdrücklich nicht im Kontext, dass ich nun in Singapur auf einem Konzert war, sondern das wäre auch in hiesigen Gefilden so gewesen. Das, was DOWNFALL OF GAIA im Post-Metal immer hinbekommen, gelingt GHOST BATH somit quasi im „Subgenre“ Depressive Atmospheric Black Metal (bitte bei Bedarf gerne noch mehr Subgenres hinzufügen). Das aktuelle Album lief in letzter Zeit auf jeden Fall auch häufiger, wobei ich persönlich der Meinung bin, dass die Band live deutlich besser und irgendwie wirkungsvoller als auf Platte funktioniert (im Gegensatz zu bspw. DER WEG EINER FREIHEIT, bei denen es bei mir umgekehrt ist).
PS: Dem „Klischee“ von Singapur entsprach in den gut 4,5 Tagen, die wir dort waren, eigentlich auch eher nicht so viel, es gab (reichlich) Müll auf den Straßen und ich sah auch genug Leute, die draußen Alkohol getrunken und geraucht haben 😉
28.10. Dresden – Reithalle | Sunn O))) | zur liste ↑
Ich war bzgl. dieses Konzerts vorab völlig unbedarft, kannte quasi nur den „Mythos“ um diese Band und habe mir dann halt 2-3 Videos angeschaut – „besser“ vorbereitet war ich de facto nicht. Dass die an dem Abend als sogenanntes „Shoshin Duo“ auch „nur“ zu Zweit auf der Bühne stehen würden, habe ich auch erst am Konzerttag selbst realisiert … auf diversen Videos sah ich da schon mal bis zu 5 oder 6 Leute, aber egal. Als ich ebenfalls komplett durchnässt in die Reithalle kam, war ich erstmal überrascht, dass diese nur zu ca. 1/3 gefüllt war, aber sollte mir auch recht sein (bei den meisten Konzerten dort wie GHOST, PETER HOOK & THE LIGHT oder auch LEBANON HANOVER war es immer sehr voll, wenn es nicht räumlich abgeteilt (und dann mit etwa 2/3 weniger Raum) als „Bunker“-Show deklariert ist).
Und was soll ich sagen: Es war für mich mehr ein „Erlebnis“ als ein Konzert, was keineswegs schlecht gemeint ist. Meine „Erwartung“ war im Vorfeld in etwa, dass da zwei auf der Bühne Leute gefühlt nur 10x in der Stunde in die Gitarre hauen und ich vor ohrenbetäubendem Lärm aufs WC oder vielleicht auch nur vor Langeweile an die Bar „flüchten“ muss.
Klar, ohne Gehörschutz wäre die Teilnahme an so einer Veranstaltung einfach nur fahrlässig (eine Zeitlang schafften es auch einige Frequenzen durch den Filter, aber das nur kurzzeitig), aber diese sich mehr und mehr aufbauende „tonale“ Wand fand ich schon extremst faszinierend. Ab und an waren sogar richtige Songstrukturen raushörbar, so dass ich 2-3 mal dachte, es würde gleich ein Intro zu einem YEAR OF NO LIGHT-Stück (in vielleicht vierfach langsamerer Geschwindigkeit) beginnen (Was „Passenderes“ fiel mir da nicht ein, aber Doom/Metal ist auch so gar nicht meine favorisierte Baustelle). Es gab sogar vereinzelt Leute, die zu dieser Musik mitgewippt haben, k.a. wie sowas funktioniert? Dazu noch ohne Ende Einsatz der Nebelmaschine wie zu besten Zeiten im Fussballstadion, das hatte schon was. Die Atmosphäre fand ich zumindest einzigartig bzw. habe ich in solch einer Form auch noch nie auf einem Konzert erlebt und auch dass eine auf der Bühne stehende Band so gut wie gar nicht visuell „greifbar“ war; darüber hinaus fand ich das Publikum sehr tiefenentspannt (was wohl erwartbar war), niemand der dumm rumquatschte (wäre wohl auch sehr schwierig) oder einem anderweitig auf die Nerven ging. Gefühlt waren eben im Grunde nur absolut musikinteressierte Menschen vor Ort, die auch nur wegen der Band da waren? Und auch die „Bässe“, die sich natürlich auch physisch etwas im Körper breitmachten, fand ich noch völlig im Rahmen (auch näher an der Bühne vorn). Als ich nach etwas der Hälfte des Sets vom WC kam, habe ich den Weg zurück kaum noch gefunden – zumindest der Merchtisch beleuchtete im Dunst etwas den Weg 😉
Ein anderer anwesender Bekannter (der die Band bis dato meines Wissens auch noch nie live erlebt hat, Hallo S. ;-)) schrieb mir einen Tag später: „Es war echt ergreifend … krass auch die gefühlte Verbindung zu den anderen Konzertbesuchern… das war so ein schönes Gemeinschaftserlebnis“. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Ich würde es mir falls es sich überhaupt jemals nochmal ergeben sollte bestimmt nochmal anschauen und jemand meinte, dass es das live wohl auch schon mit Gesang gegeben haben soll – was ich mir gleich mal überhaupt nicht vorstellen kann?!? (Anm. dazu im Nachgang: Das ist wohl der aktuelle MAYHEM-Sänger Attila Csihar.)
15.11. Dresden – „Cold Hearted“-Festival @ Alter Schlachthof | Lebanon Hanover, Automelodi, TRAITRS, Dark, Selofan, Echoberyl, Ductape, Lovataraxx (ausverkauft) | zur liste ↑
Das dritte Jahr in Folge 17 Uhr am Start und die Räumlichkeiten waren schon erstaunlich gut gefüllt; es war auch wie gewohnt seit Monaten ausverkauft und ging pünktlich im als „Bühne 2“ betitelten, kleineren der zwei Säle mit dem französischem Duo LOVATARAXX los, die mir auch auf Platte sehr gut gefallen (und während deren Gig im Oktober des Vorjahres im Dresdner Mini-Scheune-Blechschloss ich leider nicht zu Hause war) und die gleich mal die beste Band des Tages sein sollten. Musikalisch gar nicht so einfach einzuordnen, ziemlich tanzbarer Dark Wave mit einem EBM-Einschlag, vielleicht so eine Art Mischung aus KALTE NACHT und RUE OBERKAMPF? Eine tolle Sängerin, die (ganz unironisch gemeint) richtig gut mit halben Kampfsporteinlagen tanzen konnte (davon bin ich ja 100% talentbefreit, weswegen ich sowas echt faszinierend finde, gerade wenn man nur zu Zweit auf der Bühne steht und eine Person davon auch nur im „Hintergrund); dazu 40 Minuten lang gefühlt nur Hits am laufenden Band und beim letzten Stück wurden die Rollen auf der Bühne getauscht (btw, schöner „Plot-Twist“ am Schluss) und der männliche Part legte mit tollem Gesang auch noch eine großartige Performance hin. Die noch nicht im Besitz befindliche Platte der Band landete nach Kauf und persönlicher Danksagung an die Band beim Merch zum Festivalende selbstverständlich im Beutel 🙂 Ich habe es zumindest nicht bereut, A PROJECTION im großen Saal sozusagen dafür sausen zu lassen.
Die ersten beiden Lieder von THEN COMES SILENCE aus Schweden angeschaut und dann in den kleinen Saal zm zehn Minuten später beginnenden Duo DUCTAPE aus der türkischen Hauptstadt Ankara. Die waren dann nicht mehr ganz so gut wie die Auftaktband, teilweise fand ich diese (orientalisch?) angehauchte Performance von der Sängerin etwas „drüber“, aber musikalisch war es auch weitab von schlecht und der Raum tatsächlich übervoll (bei TCS quasi etwas leerer) und das Publikum ziemlich euphorisch. Kurz draußen Frischluft getankt, am Bierautomaten (Super Idee, aber leider ziemlich „falsches“ Bier…) fix ein neues Gebräu herstellen lassen und wieder im kleinen Saal zu ECHOBERYL (schon wieder Frankreich), die ich vorab etwas öfters (begeistert) angehört und somit für absolute Pflicht auserkoren hatte. Das sollte sich auch nicht rächen, denn das war mein zweiter Favorit des Tages. Anfänglich etwas schlecht abgemischt (Gesang zu leise) steigerte sich deren Set von Lied zu Lied und der Saal blieb im Vergleich zu DUCTAPE auch wesentlich angenehmer gefüllt. Tolle Band, persönlicher Dank an die Sängerin ging raus und die angebotene Platte landete ebenfalls im Beutel. Somit waren schon über drei Stunden rum, weswegen erstmal etwas durchgeatmet wurde. Das Duo SELOFAN aus Griechenland mit Sängerin (und z.T. Saxophon spielend) dann deswegen auch nur noch zwei Lieder lang gesehen und danach „leider“ nochmal die letzten ca. 15 Minuten im kleinen Saal bei DARK reingeschaut und das war wirklich gar nicht mal so gut und offenbar auch ernst gemeint. Als Satire könnte das vielleicht funktionieren, aber so eine „Show“ (u.a. mit zwei halbnackten Tänzerinnen auf der Bühne) – ich weiß nicht oder habe das Konzept vielleicht auch einfach nicht verstanden (befürchte aber eher, dass das so gewollt ist). Nach diesem ziemlichen Gruselkabinett wurde es dann aber schnell wieder netter, denn 15 Minuten später begann dann schon das kanadische Duo TRAITRS im großen Saal. Den Befürchtungen zum Trotz, dass es ggf. etwas „langweilig“ werden könnte, fand ich deren Auftritt richtig gut, die Hits der Platten funktionieren (für mich) auch live und den Gesang mag man oder eben nicht. Danach noch ca. 15 Minuten zum lustigerweise ebenfalls kanadischen Ein-Mann-Projekt AUTOMELODI, der auch ganz nett anzuschauen / -hören war, eher auch was für Freunde experimentellerer Musik. Auf der Bühne war so einiges aufgefahren, der Mann ordentlich agil / in Action und interessant „rumlärmend“. Nicht so gut wie z.B. der großartige KONTRAVOID, aber schon mit ähnlicher Tendenz. Es gab dann auch noch ein paar technische Schwierigkeiten, aber das war durchaus interessant – in kleinerem Rahmen käme das denke ich mutmaßlich noch besser. Somit gab es zum Abschluss dann „nur“ noch die stets ordentlich abliefernden LEBANON HANOVER, in die ich mich bei jedem Konzert aufs Neue irgendwie immer erst „reinhören“ muss. Ich denke jedes Mal, dass mir das vielleicht doch zu langweilig und monoton sein könnte, aber sobald die abwechselnd mit Mann/Frau-Gesang loslegen, bin ich dann immer wieder berauscht – quasi ein absolut „würdiger“ Abschlus eines wirklich tollen und äußerst kurzweiligen Festivaltages.
Dieses Jahr fielen der zum Großteil zeitlich parallelen Bandaufteilung zum Opfer: die bereits erwähnten A PROJECTION aus Schweden, die ich auch mag und mit beiden Sängern schon jeweils einmal live gesehen habe (auch schon etwas her), POTOCHKINE aus Frankreich als Ersatz für die kurzfristig ausgefallenen DANCING PLAGUE (nach einem WC-Gang mal kurz reingelauscht und klang sehr gut (in Richtung RUE OBERKAMPF), was mir ein anderer Anwesender im Nachgang bestätigte, der sich vor Ort halt für die entschieden hatte), SELOFAN (fast komplett verquatscht, solide Band und auch schon als Vorband von LEBANON HANOVER gesehen), DARK (aus guten Gründen vielleicht besser in der berühmte Mantel des Schweigens gehüllt), AUTOMELODI (da zeitlich fast genau parallel zu TRAITRS), THEN COMES SILENCE (die schaue ich mir dann am 28.11. beim „Obsidian Echoes“ im Berliner Astra an).
Wenn überhaupt Kritik (abgesehen von der gewohnt dezenten Getränkauswahl in der Location), dann nur dass die Bands meistens parallel enden und die Leute gleichzeitig aus beiden Sälen in den Mittelgang strömen, was v.a. bei voller Blase etwas problematisch ist, da die Toiletten ja am Eingang sind und man jedes Mal dort durchlaufen muss.
Zweites Manko passt direkt zu letzterem (was vielen aus eigener leidvoller Erfahrung wahrscheinlich auch ziemlich bekannt vorkommen dürfte) und zwar das Problem des ungefragten Dialoges (bzw. eher Monologes) am Pissbecken. Keine Ahnung, was manche Menschen dazu bewegt, andere Leute beim doch irgendwie intimen Wasserlassen ungefragt mit ihren (semi- bis gar nicht lustigen) Belanglosigkeiten vollzuquatschen. Ein nicht mal besoffen wirkender Typ hat dann wirklich mal Kontra bekommen bzw. war ich kurz davor, seinen Kopf ins Urinal zu drücken. Und „lustige“ Sprüche können in Sanitärräumen einfach nicht gelingen, das ist ein ungeschriebenes Gesetz wie jenes, kein kurz zuvor beim Merch gekauftes Tourshirt direkt überzuziehen. Aber sonst war alles gediegen und der Abend wie jedes Mal trotz über sieben Stunden vor Ort irgendwie viel zu schnell vorbei…und die wirklich unterhaltsame TURBONEGRO-Coverband ASSES OF FIRE (besser als das derzeitige „Original“) waren dann in der Chemiefabrik beim Rückweg nach Hause „leider“ auch schon fertig.
…and more 🙂 to be continued!